Hämangiome (Blutschwämme) bei Kindern früher behandeln!

An der Kinderchirurgie und Jugendchirurgie und der Dermatologie in der Klinik Donaustadt in Wien (ehem. Donauspital – SMZOst) ist die Behandlung von Hämangiomen, oder Blutschwämmen bei Kindern zentrales Thema und Anliegen der Spezialisten.   
Der Blutschwamm oder das Hämangiom ist eine häufige Geschwulst der Haut aber auch innerer Organe, wo etwa 3% - 10% aller Kinder betroffen sind.  
Aus wissenschaftlich noch nicht geklärter Ursache entsteht das Hämangiom in seiner Wachstumsphase durch die abnorme Wucherung von blutgefäßbildenden Zellen. In der Regel beginnt die Geschwulst, beispielsweise an der Haut, als „kleiner rötlicher millimetergroßer Fleck“, in den ersten Wochen nach der Geburt. Diese Veränderung wird von den Eltern bemerkt.  Je mehr Hämangiome an der Haut auftreten desto häufiger finden sich auch Blutschwämme innerhalb des Körpers, beispielsweise in der Leber. 
Während der ersten sechs Lebensmonate zeigen die entstehenden Blutschwämme ein ausgeprägtes "Wachstum" mit rascher Größenzunahme und Verdrängung, so wie aber auch Zerstörung, angrenzender Gewebe. Vor allem Blutschwämme im Gesichts- und im Genitalbereich können in ihrer Umgebung beträchtliche Schäden hervorrufen. Nach dem sechsmonatigen Wachstum (Proliferationsphase) beobachtet man in der Mehrzahl der Fälle eine ebenfalls sechsmonatige "Ruhephase" (Wachstumsplateau), wo das Hämangiom nicht mehr an Größe zunimmt.  Daran anschließend folgt die, unterschiedlich stark ausgeprägte, "Rückbildungsphase", die etwa bis etwa zum 9. Lebensjahr andauert. Die meisten Komplikationen entstehen durch das rasche Wachstum in den ersten 6 Lebensmonaten.

Nachdem sich 2/3 der Blutschwämme bis zum 7. Lebensjahr zurückbilden wird immer wieder und noch immer, in nicht begründbarer Weise, mit einer Behandlung abgewartet, d.h. auf eine Therapie verzichtet und dafür, die zum Teil auch schwerwiegenden, Krankheitsfolgen in Kauf genommen. Das betrifft neben der Blutungsgefahr und, gegebenenfalls, der kosmetischen Problematik, vor allem die Zerstörung angrenzender Gewebe. Oftmals ergibt sich dann der, aus heutiger Sicht durchaus berechtigte, Vorwurf, dass man bereits viel früher, also zu einem Zeitpunkt, wo das Hämangiom noch in "punktförmiger Größe" vorgelegen hat, mit einer Therapie hätte beginnen sollen.

Hämangiom (Blutschwamm) - 05

Hämangiom (Blutschwamm) - 06

Zeitgemäße Therapieformen der meisten Hämangiome umfassen vorranging die Laseranwendung, die Gabe des sogenannten "Betablocker - Medikamentes Propranolol" und schließlich die chirurgische Entfernung. Kombinationen dieser Behandlungsmaßnahmen sind möglich. Die Vereisungs- oder Kryotherapie, sowie auch die Kortisongabe ist deutlich in den Hintergrund getreten. Die medikamentöse Interferongabe hat ihren Platz in der Hämangiom - Behandlung verloren.

Die Lasertherapie erfolgt abhängig von der Tiefenausdehnung, beispielsweise bis 2 mm Hauteindringtiefe, mit einem Farbstofflaser (Dye - Laser) und bei tiefliegenden Hämangiomen mit dem sogenannten Nd-YAG-Laser bzw. Diodenlaser, wo die therapeutische Laserenergie über eine, in den Blutschwamm vorgeschobene, Fiberglasfaser eingebracht wird. Hier hat es sich als vorteilhaft erwiesen die Lage der "Laserfaser" im Blutschwamm zu kontrollieren und zu steuern. Beispielsweise können größere Blutgefäße, die den Blutschwamm vorrangig mit Blut speisen gefunden und ultraschallgezielt durch den Laser verödet werden.

Hämangiom (Blutschwamm)-Intraluminale Laserfaser

Die Betablocker – Behandlung (Propranolol 1-3mg/kg KG/Tag) der infantilen Hämangiome sollte sinnvoller Weise in der Wachstumsphase, also während der ersten 6 Lebensmonate, bei jenen Hämangiomen Anwendung finden, wo eine Laserbehandlung oder die chirurgische Entfernung Komplikationen bzw. Funktionseinschränkungen an den umliegenden Geweben (Auge, Tränengang, Schließmuskel des Afters, etc.) erwarten lässt. Die orale Propranolol Gabe ist in der korrekten Dosierung als sichere und nebenwirkungsarme Verabreichung anerkannt.  Risikoreicher ist die direkte Verabreichung in die Vene. Als mögliche Nebenwirkungen wird ein niedrigerer Blutdruck (2,8%), die Verlangsamung des Herzschlages (0,9%), Bronchospasmen (1,4%; Vorsicht bei spastischer Bronchitis), Hypoglykämien (0,9%), Schlafstörungen (3,7%) oder auch ein verstärkter gastroösophagealer Reflux (0,7%) gesehen. Die maximale Propranololwirksamkeit ist 2h nach oraler Gabe gegeben. Frühgeborene vor dem Erreichen des errechneten Geburtstermins, Neugeborene in den ersten beiden Lebenswochen, PHACE Syndrom (erhöhtes ischämisches Schlaganfallrisiko unter Propranolol), ebenso wie angeborene Herzfehler/Arrhythmien mit Kontraindikationen einer Beta-Blocker-Therapie, Säuglinge mit Episoden einer obstruktiven Bronchitis bzw. einer eingeschränkten Nierenfunktion sollten nicht mit dem Betablocker medikamentös behandelt werden.

Bei bestimmten Hämangiomen wo Komplikationen zu erwarten sind (Blutungsgefahr, Exulzeration – d.h. das Hämangiom bricht oberflächlich auf) und jene, die erst spät (nach der Wachstumsphase) zur Therapie vorgestellt werden, kann die radikale chirurgische Entfernungdurchaus zielführend sein. Das gilt besonders für jene gut chirurgisch entfernbaren Blutschwämme, die anderenfalls mehrere Laserbehandlungen in längerfristigem Zeitabschnitt in Allgemeinnarkose erfordern würden. Radikale Operationen, die große Gewebsdefekte hinterlassen sind zu vermeiden. In diesen Fällen sollte mittels mehrfacher Lasertherapie das Hämangiom sukzessive verkleinert (abliert) werden. Narbenbildungen sind hier unvermeidbar. Die frühe Behandlung ist und das Erkennen des Hämangiomwachstums ist ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Behandlung. Leider wird - mit der Hoffnung der selbstständigen Rückbildung - immer wieder, ohne Therapie, zu lange zugewartet. 

Viel zu oft wird beispielsweise der so genannte "Storchenbiss" oder auch "Feuermale" (Naevus flammeus) falsch als Hämangiome bezeichnet. Besonders bei den häufigen Hämangiomen im Gesicht oder jenen im Genitalbereich muss so früh wie möglich, die effektive Therapie eingeleitet werden. Millimetergroße Hämangiome der Haut, die sich erst am Anfang der Wachstumsphase befinden, sind am leichtesten zu behandeln. In diesen Fällen gelingt eine erfolgreiche Hämangiombehandlung oftmals mit einer einzigen "Laserung".

Auch bei jenen Patienten, wo die Therapie später begonnen wird, beispielsweise im Alter von 3 Monaten, gelingt es - zwar mit therapeutischem Mehraufwand  - den Blutschwamm erfolgreich zu entfernen: 

Hämangiom (Blutschwamm) - 07

Weiterführende Informationen/Studien:

Hämangiome bei Kindern früher behandeln!

"Beta-Blocker Gabe" - eine neue Therapieoption bei Hämangiomen!

Therapie angeborener Gefäßerkrankungen mit dem Laser

Hämangiome (Blutschwämme) - Übersicht

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