Geschichte der Kinder- und Jugendchirurgie in Österreich

Alexander M. Rokitansky (Professor für Kinder- und Jugendchirurgie)
Gesine Menardi (Professorin für Kinder- und Jugendchirurgie; 1936-2007)

menardi - rokitansky

Adresse der Autoren:

Donauspital - Sozialmedizinisches Zentrum Ost
Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie

Prim. Univ. Prof. Dr. Alexander Rokitansky

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Die spezialisierte medizinische Versorgung des Kindes entwickelte sich in Österreich innerhalb der vergangenen 200 Jahre. Die Wurzeln finden sich in Wien wo Ende des 18. Jahrhunderts etwa gleichzeitig zwei Institutionen gegründet wurden, die sich mit der speziellen Behandlung von Kindern befassten. 1784 wurde zugleich mit dem so genannten „Wiener Allgemeinen Krankenhaus“ unter Kaiser Josef II.,  dem Sohn von Maria Theresia, das „Wiener Findelhaus“eröffnet.  Kindesmord und Kindersterblichkeit wurden vor dem Hintergrund des aufgeklärten Absolutismus zu diesem Zeitpunkt thematisiert und diskutiert. Im Findelhaus konnten uneheliche Neugeborene und Säuglinge, wenn es sein sollte auch unter anonymen Bedingungen, abgegeben werden. Ein wichtiges Motiv für diese Einrichtung war die Senkung der Kindersterblichkeit, auch im Interesse der Populationspolitik. Aus dem Krankengut des Findelhauses berichtete Aloysius Bednar am 7.3.1851 über einen Fall einer Analtresie, wo er eine „fluktuierende Geschwulst“ am Beckenboden mit einem Trokar perforierte und sich Mekonium entleerte. Der Wiener Pädiater Alois Bednar (1816-88) war Direktor dieser Wiener Findelanstalt. Von 1784 bis 1910, in den 126 Jahren seines Bestehens, wurden im Wiener Findelhaus zirka 750.000 Kinder abgegeben. 1787 gründeteder Arzt Johann Josef Mastalier (1757-1793)in Wien, in der Wollzeile eine  private „Kinder-Armenambulanz“ mit Mütterberatung und führte auch Hausbesuche durch um die Kinder zu behandeln. Aus der Ambulanz entstand unter Anton Leopold Göllis (1764-1827) das erste „öffentliche Kinder-Krankeninstitut“ in Wien. Unter der Leitung des slowakischen Kinderarztes Max Kassowitz (1842-1913) erfolgt, beginnend mit dem Jahr 1881, eine deutliche Weiterentwicklung des Instituts und es entstehen in den Jahren 1882-1913 gesonderte Behandlungsräume für die Chirurgie, die Orthopädie, die Laryngologie und die Ophthalmologie. Zusätzlich entstehen ein Operations- und ein Hörsaal. Sigmund Freud leitet in diesem Institut die Abteilung für Neurologie.
1837 wurde nach Kinderspitalsgründungen 1802 in Paris und 1830 in Berlin (an der Charité) von dem ehemaligen Regimentsarzt Ludwig Wilhelm Mauthner (1806-1858), einem Philanthrop, auf eigene Kosten, das erste Kinderspital in Österreich in der damaligen Wiener Vorstadt Schottenfeld errichtet. Aus dieser Einrichtung entstand 1848 nach deren Verlegung und Übersiedlung in die Kinderspitalgasse 6 das noch heute bestehende „St. Anna Kinderspital“. Mauthner war Mitglied der Wiener Medizinischen Fakultät, Chirurg und eine Art „Volksarzt“. Seine Anliegen waren sowohl die Verbesserung der medizinischen Fürsorge für akut erkrankte Kinder armer Eltern als auch das wissenschaftliche Interesse an den Krankheiten im Kindesalter. Die Verbindung von sozial engagierter Grundversorgung und medizinischer Forschung, die ihn motiviert hatte, blieb für die Entwicklung des Spitals bestimmend. Der Ruf von Mauthners Kinderspital verbreitete sich auch in wissenschaftlichen Kreisen und viele Ärztinnen und Ärzte besuchten das Haus um hier zu lernen. Mauthner kämpfte darum, in seinem Spital lehren zu können und erhielt 1844 die Erlaubnis, klinische Vorlesungen zu halten. 1850 erfolgte in den geschaffenen Räumlichkeiten des „St. Anna Kinderspitals“ die Gründung und Etablierung der Wiener Universitätskinderklinik. 1851 erhielt er die erste außerordentliche Professur für Kinderheilkunde der Universität Wien. Diese universitäre Ausrichtung blieb bis 1911 im „St. Anna Kinderspital“ verortet.

1858, nach dem Tod von Mauthner wird eine eigene chirurgische Abteilung eröffnet und Friedrich Franz Salzer (1827-1890) als unentgeltlich leitender Arzt eingesetzt. Unter dem späteren Direktor Hermann Widerhofer (1832–1901) erlebt die Chirurgie im „St. Anna Kinderspital“ schließlich durch die Bestellung des Chirurgen Josef Weinlechner einen bedeutenden Aufschwung. Josef Weinlechner (1829-1906), ein Pionier der Kinderchirurgie, wurde in Altheim in Oberösterreich in ärmlichen Verhältnissen geboren. 1854 promovierte er unter großen Entbehrungen in Wien und absolvierte danach die Ausbildung an der Chirurgischen Universitätsklinik in Wien unter dem Leiter Franz Schuh. Schuh gehörte dem engen Kreis des Professorenkollegiums der II. Medizinischen Schule unter dem Rektor Carl Rokitansky an. 1864 wird Josef Weinlechner an das „St. Anna Kinderspital“ berufen. Mit Weinlechner nahm die Kinderchirurgie im St. Anna-Kinderspital einen gewaltigen Aufschwung. In dieser Zeit suchte er auch um Zulassung zur „Dozentur für Chirurgie mit besonderer Berücksichtigung des kindlichen Alters“ an. Das Datum dieses Ansuchens, der 1. Juli 1865, ist für die Geschichte des Faches Kinderchirurgie ein Meilenstein, da es damals höchst ungewöhnlich war, sich für Chirurgie des kindlichen Alters zu habilitieren. Mit der Habilitationsschrift über „Hasenscharten“ habilitierte er sich am 10. Oktober 1865. Missbildungen und onkologische Operationen waren von Anfang an eines seiner bevorzugten Gebiete. Ab dem Jahr 1866 gab es in den Jahresberichten des St. Anna-Kinderspitals ausführliche Statistiken zur operativen Tätigkeit. Interessant ist, dass die heute häufigsten kinderchirurgischen Operationen, Appendektomie, Hernienoperationen und Hydrocelenoperationen, in diesen Statistiken fehlen. Hernien behandelte Weinlechner mit einem Bruchband, Hydrocelen wurden punktiert und danach Jod instilliert. Ein wichtiges Kapitel der Kinderchirurgie waren damals die lebensrettenden Tracheotomien bei Diphtherie, deren Technik Weinlechner verbesserte. Die „Blinddarmentzündung“ galt damals noch als internistische Erkrankung. Erst 1886 erkannte man, dass die Ursache der oft tödlich verlaufenden Bauchfellentzündung des rechten Unterbauches eine Entzündung der Appendix ist. 1894 beschrieb der amerikanische Chirurg McBurney, dass mit der Entfernung des Wurmfortsatzes durch einen kleinen Schnitt im rechten Unterbauch das „internistische Problem“ zu lösen sei. Jahrelang diskutierten die Chirurgen noch, ob es nicht besser sei, im Intervall den entstandenen Abszess zu drainieren. Noch 1907 war die Appendektomie ein Hauptthema des deutschen Chirurgenkongresses.

Um die Zeit der Gründung des „St. Anna Kinderspitals“ in Wien, wurden auch in Graz und Salzburg unter der Schirmherrschaft adeliger Damen und angesehener Bürgerfrauen so genannte Kinderspitalsvereine eingerichtet. 1842 erfolgte beispielsweise die Gründung des Kinderspitalvereins in Graz unter dem besonderen Schutz von Frau Anna Freiin von Brandhofen, der Gemahlin von Erzherzog Johann. 1843 erfolgte die Eröffnung eines provisorischen Kinderspitals mit 8 Betten in zwei Krankenzimmern in der Klosterwiesgasse. 1846 erfolgte die Übersiedelung dieser Einrichtung in ein einstöckiges, neu erbautes Haus in der Villefortgasse in Graz. 1899 wurde die Kinderklinik Salzburg, unterstützt durch das Wirken der  Erzherzogin Valerie, eröffnet.  Der leitende Kinderarzt Hans Fiala (1858-1924) wurde in leitender Funktion eingesetzt und baute die Kinderchirurgie auf. Er hatte seine Ausbildung u.a. in Wien im „St. Anna Kinderspital“ bei Widerhofer und Weinlechner erhalten und war bemüht, die Standards der Wiener Kindermedizin, auch in Salzburg zu übernehmen. So entstanden eine eigene Abteilung für chirurgisch kranke Kinder und ein eigener Operationssaal.
In Graz geht 1877,  nach zwei Jahren Bauzeit, das neue, nach seiner Schutzfrau Gräfin Anna von Meran benannte "Anna Kinderspital" in Betrieb. Neben der medizinischen und chirurgischen - okulistischen Abteilung wurde eine Abteilung für Kinder mit ansteckenden Krankheiten untergebracht. Benjamin Ipavic leitete damals die kinderchirurgische Abteilung. 1899 erfährt das Spital durch Theodor Escherich (1857 -1911) eine bedeutende Weiterentwicklung.  Ein Hörsaal und ein Isoliertrakt werden eingerichtet.  1905 wird Hans Spitzy (1872-1956) und nach ihm 1913 Philipp Erlacher  Leiter der chirurgisch orthopädischen Abteilung. 1906 berichtet man über 686 Operationen bei 252 Narkosen.

Bis in das beginnende 20. Jahrhundert kam es immer wieder vor, dass sich Kinderärzte ebenfalls chirurgisch operativen Behandlungen an Kindern widmeten.  So hat beispielsweise der berühmte Grazer Arzt Theodor Escherich  die von Robert Gersuny (1844-1927) zur Behandlung des Mastdarmsvorfalles angegebene Paraffinblombe zur Behandlung der Nabelbrüche bei Kindern benützt. Escherich hat schließlich im Jahre 1903 in der Monatszeitschrift für Kinderheilkunde von über 30 Fällen berichtet, wo er diese Methode bei Kindern von 1 bis 14 Monaten angewandt hat. Auch aus Klagenfurt wissen wir, dass bis zur Gründung der kinderchirurgischen Abteilung im Jahre 1974 durch Gernot Brandesky der Pädiatrische Chefarzt die Kinder im Kinderkrankenhaus selbst operiert hat.

1875 wird zusätzlich das „Kronprinz-Rudolf Kinderspital“ in Wien eröffnet und 1903 eine Kinderchirurgische Abteilung eingerichtet. Sie wird von dem zweiten kinderchirurgischen Pionier Österreichs Hans Salzer (1871-1944) geleitet. Hans Salzer musste als Assistent der II. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien unter der Leitung von Carl Gussenbauer (1842-1903), 1902 wegen seiner Heirat die Klinik verlassen. Damals war es den Assistenten einer Klinik nicht gestattet verheiratet zu sein. Er wechselte an das „Kronprinz-Rudolf Kinderspital“ und bekleidete gleichzeitig, eine Zeit lang, eine Chefarztstelle in der Wiener Poliklinik. Das  „Kronprinz-Rudolf Kinderspital“ wurde in Mauthner Markhofsches Kinderspital umbenannt. 1924 wurde
Hans Salzer auch zum Direktor des Mautner Markhof'schen Kinderspitals ernannt und zu diesem Zeitpunkt gab er seine Primararztstelle an der Poliklinik auf. In der 1971 aus der Arbeitsgemeinschaft für Kinderchirurgie, entstandenen Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie wird seit  1976, zu seinen Ehren, jährlich der Hans Salzer Preis vergeben. Das große Verdienst Salzers war aber nicht nur die Errichtung einer kinderchirurgischen Abteilung, sondern auch richtungweisende Arbeiten mit damals besonders relevanter kinderchirurgischer Probleme. Drei Arbeitsgebiete lagen ihm besonders am Herzen. Das erste war die Behandlung der Pneumokokkenperitonitis der kleinen Mädchen, zweitens die Behandlung der angeborenen Leistenbrüche und besonders bekannt wurde er durch seine Publikationen über die Frühbougierung der Laugenverätzung. Die Pneumokokkenperitonitis der Mädchen war damals eine Erkrankung mit einer durchschnittlichen Letalität von 50%. Da die Symptomatik ähnlich der akuten Appendicits verlief wurden die Kinder oftmals operiert. Die Kombination des Operationstraumas mit der Pneumokokkenperitonitis führte zu einer nahezu 100 %igen Letalität. Er konnte darauf hinweisen, dass durch eine zurückhaltende konservative Therapie, diese später ergänzt durch Gabe von Pneumokokkenserum, eine signifikant bessere Prognose für die betroffenen Mädchen erreicht werden kann. Bei der Behandlung der Leistenbrüche kam er zur Erkenntnis, dass alle Leistenbrüche der Neugeborenen und Säuglinge und kleinen Kindern angeborene Hernien seien und er gab als Therapie die hohe Abtragung des Bruchsackes bzw. des Processus vaginalis ohne irgendeine plastische Deckung im Bereiche des Leistenkanals an. Hans Salzer folgten die leitenden Ärzte Rudolf Jonas, der jüngste Bruder des Bürgermeisters und österreichischem Bundespräsidenten Franz Jonas, dann Peter Wurnig, der sich große Verdienste in der Kinderintensivmedizin sowie Neugeborenenchirurgie erwarb und den 32. BAPS Kongress1985 nach Wien in die Hofburg brachte und schließlich Ernst Horcher als Schüler von Fritz Helmer.
Außer der kinderchirurgischen Abteilung am Mauthner Markhofschen Kinderspital wurden chirurgischen Erkrankungen des Kindes an der Universitätsklinik in Wien ebenfalls Aufmerksamkeit geschenkt. An der I. chirurgischen Klinik war hier Leopold Schönbauer (1888-1963) und nach seinem Abgang von der Klinik, Huber tätig. An der II. chirurgischen Klinik widmeten sich Fritz Demmer (1884-1967), Wolfgang Denk (1882-1970) und schließlich Georg Salzer (1903-95),derSohn von Hans Salzer, immer wieder kinderchirurgischen Behandlungsmethoden. Fritz Demmer stellte bereits 1921 eine erfolgreich operierte Ileumatresie vor, die bei gleichzeitig bestehender kleiner Omphalocele (hernia into the cord) am ersten Lebenstag von der Frauenklinik an die II. chirurgische Klinik überwiesen wurde. Bei der Präparation des Nabelschnurbruches stellte sich heraus, dass zusätzlich eine Ileumatresie, mit einem Mikrocolon, vorlag. Demmer resezierte das stark erweiterte distale Ende des Ileums und stellte die Kontinuität durch eine Seit-zu-Seit-Anastomose zwischen dem cranialen Ileum und dem Colon ascendens her. Das Kind konnte gesund nach Hause entlassen werden. Das war der dritte publizierte Fall einer erfolgreich operierten Dünndarmatresie in der Weltliteratur. 1930 stellte Leopold Schönbauer in der Gesellschaft der Chirurgen Wiens eine, mit Erfolg operierte, linksseitige Zwerchfellhernie bei einem 3 Monate alten Säugling vor, die er nach den heute allgemein gültigen Prinzipien korrigierte. Aus seiner Tätigkeit als Konsiliarchirurg an der, aus dem "Jubiläumsfonds für Kinder" 1915 gestifteten so genannten Kinderklinik Glanzing hatte Leopold Schönbauer auch reichlich Gelegenheit Fälle mit hypertropher Pylorusstenose chirurgisch zu behandeln und 1931 seine diesbezüglichen Erfahrungen zu publizieren. Bemerkenswert ist aus dieser Zeit eine Arbeit über Erfahrungen beim Darmverschluss durch Invaginationen, die Fritz Starlinger, aus der Klinik Anton Eiselsbergs, 1931 vorstellte und bereits auf die Möglichkeit der hydrostatischen Reposition bei Invagination hinwies. 1935 berichtete Wolfgang Denk in der Gesellschaft der Ärzte Wiens über Behandlungserfolge von ein- und beidseitiger Retentio testis (Kryptorchismus) mit Extrakten aus männlichen Keimdrüsen. Die oben erwähnte legendäre Kinderklinik Glanzing hatte keine eigenen operativen Einrichtungen und ihr großes kinderchirurgisches Krankengut wurde bis zum Jahre 1994 an der chirurgischen Universitätsklinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus unter Leitung der Konsiliarchirurgen Paul Huber, Georg Salzer, Fritz Helmer und seit 1990 Alexander Rokitansky betreut. Ab 1994 wurde die kinderchirurgische Versorgung der Kinderklinik Glanzing vom Donauspital in Wien vorgenommen, wo sich unter Rokitansky ein Zentrum für Kinderthoraxchirurgie und Kinderurologie entwickelte.

In Graz kommt es 1939 zur Auflösung des Kinderspitalsvereins und zur Übersiedelung der chirurgisch-orthopädischen Abteilung in das nahe gelegene Sanatorium Theresia. Wilhelm Schäfer wird der Nachfolger von Philipp Erlacher. 1973 beginnt mit der Beschlussfassung die Errichtung einer neuen Grazer Universitätsklinik für Kinderchirurgie und  1974 übernimmt Hugo Sauer, von der Innsbrucker Universität kommend, die Leitung der Kinderchirurgischen Klinik. Unter Sauer erfährt die Grazer Kinderchirurgie, vor allem durch die zusätzliche intensive Beschäftigung mit der Traumatologie und der Gründung des Österreichischen Komitees für Unfallverhütung im Kindesalter (des 1983), neue Impulse.  Neben dem üblichen Spektrum der Kinder- und Jugendchirurgie wurde die Unfallverhütung weiterhin durch seinen Nachfolger Michael Höllwarth an der Klinik in Graz kultiviert.

1956 erfolgt die Gründung der Kinderchirurgischen Abteilung an der Kinderklinik Linz. Hermann Hartl leitet diese Abteilung von 1956–1987. Hartl in Linz und Georg Salzer in Wien führten in den 50iger Jahren die beiden ersten Korrekturen einer Ösophagusatresie in Österreich durch. Michael Engels leitete von 1987–2002 die große Kinderchirurgische Abteilung in Linz. Er war Initiator und wesentlichster Betreiber des so genannten „Kinderchirurgischen Donausymposiums“. 1992 führte er in Österreich laparoskopische Operationstechniken im Neugeborenen-, Säuglings- und Kindesalter ein. 2002 folgte ihm Wolfgang Pumberger, ein Schüler von Peter Wurnig und Ernst Horcher, als Leiter der Kinderchirurgischen Abteilung der Landes-Kinderklinik Linz.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde zunächst ein chirurgisches Ambulatorium im Gottfried v. Preyerschen Kinderspital geführt und 1961 eine Kinderchirurgische Abteilung unter der Leitung von Rudolf Rauhs errichtet. Sein Nachfolger war der Rehbein Schüler Leopold Preier. Er richtete eine interdisziplinäre Intensivstation ein und modernisierte die Operationsräume.

Im Mauthner-Markhofschen Kinderspital der Gemeinde Wien setzte der 1963 als Chefarzt ernannte Peter Wurnig (1923–2005) neue Impulse. Er entwickelt die Neugeborenen- und Fehlbildungschirurgie und richtete eine Intensivstation ein. Peter Wurnig gelang es den 32. BAPS Kongress 1985 nach Wien zu bringen. Wurnigs Nachfolger wurde 1989 Ernst Horcher, ein Schüler Fritz Helmers. Horcher wechselte 1992 an die neu errichtete größte Wiener Kinderchirurgie im Donauspital die seit 1994 von Alexander Rokitansky, ebenfalls ein Schüler Fritz Helmers, geleitet wird. Das Donauspital übernahm schließlich, unter Rokitansky, neben der kinderchirurgischen Versorgung des Mauthner–Markhofschen Kinderspitales, 2003 auch jene des Preyerschen Kinderspitals. Rokitansky etablierte an den großen Wiener Spitälern kinderchirurgische Ambulanzen im so genannten „kinderchirurgischen Ambulanzversorgungsmodell“, die gleichsam als Außenstellen der Kinderchirurgie des Donauspitals der Versorgungsfunktion nachkommen. 1994 übernahm Ernst Horcher, die von Fritz Helmer sowie später von Alexander Rokitansky geplante, Universitätsklinik für Kinderchirurgie im Allgemeinen Krankenhaus in Wien und festigte zunehmend seine Zusammenarbeit mit dem St. Anna Kinderspital, wobei er sich besonders der Tumorchirurgie im Kindesalter widmet.

1964  erfolgt die Gründung einer Kinderchirurgischen Abteilung am Landeskrankenhaus in Salzburg. In den Jahren 1964-89 leitet Hans Henkel die Abteilung. 1989 kommt es zum  Neubau der Kinderchirurgie, die im Weiteren von Irene Oesch und Thomas Böhmers geleitet wurde. 2006 übernahm Günter Schimpl aus Graz, ein Schüler Hugo Sauers, die Leitung.

1966 erhält die Chirurgische Universitätsklinik Innsbruck unter der Leitung von Hans Huber eine eigene Kinderchirurgie. Hugo Sauer leitete diese Abteilung von 1968 bis 1976. Seine Kinderchirurgische Ausbildung absolvierte er bei Hartl in Linz und Rehbein in Bremen. Gesine Menardi (1936-2007) war dessen Assistentin und wurde, nach einem Ausbildungsaufenthalt im Alder Hey Childrens Hospital in Liverpool, 1976 Leiterin der kinderchirurgischen Abteilung an der Innsbrucker chirurgischen Universitätsklinik. 2001 übernahm ihr langjähriger Mitarbeiter Josef Hager  die Leitung.

1966 formierte sich die Arbeitsgemeinschaft für Kinderchirurgie, aus der 1971 (Van Swieten-Tagung) die Österreichische Gesellschaft für Kinderchirurgie entstand. Die Präsidenten der Gesellschaft waren Hermann Hartl von 1966–1971, Hugo Sauer von 1972–1976, Peter Wurnig von 1977–1978, Hans Henkel von 1979–1982, Gernot Brandesky von 1983–1986, Gesine Menardi von 1987–1990, Leopold Preier von 1991–1992, Michael Höllwarth von 1993–1996, Michael Engels von 1997–2000, Alexander Rokitansky von 2001- 2004 und Josef Hager ab 2005.

Ab 1975 wird die Kinderchirurgie als Additivfach zur Allgemeinchirurgie mit den zusätzlichen Gegenfächern Kinderheilkunde, Urologie und Traumatologie geführt. 1994 gelingt es, unter besonderem Engagement von Leopold Preier, ein eigenständiges Fach für Kinderchirurgie  zu schaffen. 2007 erfolgt nach Inkrafttreten der novellierten Ärzteausbildungsordnung und Umbenennung des Faches in „Kinder- und Jugendchirurgie“. Diese Benennung trägt dem Alterspektrum der Patienten Rechnung.

1972 wurde an der II. Chirurgischen Klinik in Wien ein Extraordinariat für Kinderchirurgie unter der Leitung von Fritz Helmer, ein Schüler Wolfgang Denks, eingerichtet.  Helmer führt nach einer  Studienreise in die USA, 1958 die Hydrocephalus – Shuntchirurgie ein und bringt aus Boston umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet der Kinderherzchirurgie nach Österreich. 1984 entstand unter der Leitung Helmers ein Ordinariat für Kinderchirurgie und Alexander Rokitansky wurde auf die neue kinderchirurgische Assistentenstelle aufgenommen. Rokitansky wird auf dem Gebiet der Kinderchirurgie zu Helmers langjährigem Mitarbeiter. 1994 erfolgt die Bestellung von Ernst Horcher als Ordinarius für Kinderchirurgie und Leiter der universitären Abteilung für Kinderchirurgie in  Wien.

1974 erfolgt im Landeskrankenhaus Klagenfurt die Teilung der bestehenden kindermedizinischen Einrichtung in eine Interne und eine Chirurgische Abteilung die über viele Jahre von Gernot Brandesky geleitet und weiterentwickelt wurde. Brandesky deckte das gesamte kinderchirurgische Versorgungsspektrum unter Einbeziehung der Traumatologie und Urologie ab. Nach ihm wurde die Abteilung vom deutschen Kinderchirurgen Peter Illing und später, nun bereits über einige Jahre, von Günter Fasching, einem Schüler Hugo Sauers, übernommen. Fasching entwickelte während der letzten Jahre die Kinder- und Jugendchirurgie in Klagenfurt zu einem Zentrum internationaler Anerkennung.

1982 erhält die Kinderchirurgie in Graz unter Hugo Sauer den Status einer Universitätsklinik. Die Entwicklung der Klinik führte schließlich 1986 zum Verkauf des bisherigen Areals in der Mozartgasse/Heinrichstrasse und 1989 zum Spatenstich für den Neubau auf dem Gelände der Grazer Universitätskliniken. 1993 wird der Neubau der Kinderchirurgischen Universitätsklinik unter Sauer in Graz eröffnet. 1989 übernahm Michael Höllwarth die Leitung der Klinik, die heute zur größten Universitätsklinik für Kinderchirurgie Österreichs wurde. Höllwarth gründete 1991 zusammen mit Peter Scheer eine Kinderschutzgruppe und setzte hier ebenfalls wie in der von Sauer eingeführten Unfallverhütung im Kindesalter einen Meilenstein in der Obsorge um die Kinder.

Mit der 1992 eröffneten und nach modernsten Gesichtspunkten ausgerichteten, großen Kinderchirurgischen Abteilung im Donauspital in Wien, gibt es derzeit in Österreich 4 kinderchirurgische Ordinariate (Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg), eine universitätsassoziierte kinderchirurgische Lehrabteilung im Wiener Donauspital und zwei kinderchirurgische Primariate in Linz und Klagenfurt.

Danksagung: Für die Mithilfe und die Sichtung des Datenmateriales danke ich Frau Dr. Elisabeth Peter-Bonelli und meiner Mitarbeiterin Frau Karin Entrich.

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