Die Trichterbrust und der Druck auf das Herz

Die Trichterbrust ist eine unterschiedlich große Delle in der Mitte des Brustkorbes. Dabei sind das Brustbein und die vorderen Anteile der Rippen eingesunken und dadurch der vordere Brustkorb verkleinert. Die Behandlung dieser Brustkorbdeformität ist ein Spezialgebiet der Kinder- und Jugendchirurgie im Donauspital in Wien.

Trichterbrust

Organische Beeinträchtigungen von Herz und Lunge sind möglich:

Die Lungen können sich nicht voll entfalten, so dass die Lungenfunktion um 10-15% eingeschränkt ist. Nicht voll entfaltete Lungenanteile können Kurzatmigkeit hervorrufen und Infektionen begünstigen.

Ein weiteres wesentliches Problem der ausgeprägten Trichterbrust ist der Druck auf das Herz, der durch die Delle im Brustkorb verursacht wird.

  • Das Herz kann sich nicht genügend ausdehnen, hat somit weniger Platz und wird vermehrt auf die linke Seite im Brustkorb verschoben. Es arbeitet daher unter eingeengten Bedingungen und kann deutlich weniger Blut bei einem Herzschlag befördern. Bei körperlicher Belastung wird ein erhöhtes Blutvolumen (sogenannter Cardiac Output) benötigt, wobei je nach Körpergröße über 10Liter/Minute vom Körper gefordert sein können. Das eingeengte Herz des Trichterbrusterkrankten muss bei körperlicher Anstrengung häufiger schlagen um die gleiche Blutmenge zu befördern wie ein Herz eines gesunden Menschen, dass sich ausdehnen und mit jedem Herzschlag mehr Blut befördern kann. Daher haben Trichterbrustpatienten beim Sport hohe Pulsfrequenzen, das Gefühl des „Herzjagens“ und eine eingeschränkte Dauerbelastbarkeit. Eine hohe Herzschlagfrequenz wird von jungen Menschen leichter toleriert, als im höheren Alter.
  • Der Druck auf das Herz kann zu Herzrythmusstörungen (Herzstolpern) führen, die besondere bei vorgeneigtem Oberkörper gehäuft auftreten können. 
  • Die Verschiebung des Herzens (sogenannter Mediastinalshift) und dessen Kompression kann auch die Herzklappenfunktion beeinträchtigen, so dass mittels Herzultraschall leichte Klappenschlussstörungen erkannt werden können.

Trichterbrust

Im Gegensatz zum normal ausgebildeten Brustkorb (li. Bild) wird bei der Trichterbrust (re. Bild) das Herz zusammengedrückt und ein nach links verschoben. Dadurch ist kommt es bei Belastung (Sport) zum Herzrasen und in höherem Lebensalter ist die Herzleistung eingeschränkt

Durch die veränderte Form des Brustkorbes können Schmerzen und ein Druckgefühl im Trichterbereich ausgelöst werden.

Die psychische Belastung durch den missgebildeten Brustkorb kann groß sein. Das kann bis zu einer Isolation und schwer - depressiven Gemütslagen führen. Jugendliche wollen beispielsweise nicht mehr im Sommer baden gehen und behalten den Oberkörper gänzlich bekleidet.

Die immer wieder behauptete Meinung, dass die Trichterbrust ein „rein kosmetisches Problem“ wäre ist falsch. Genauso falsch ist die Annahme, dass sich die Trichterbrust auswachsen wird. Das Gegenteil ist der Fall. Die Trichterbrust entwickelt sich im Laufe des Wachstums und besonders stark im Zuge der Pubertät. Bei Kleinkindern sind ausgeprägte Formen möglich aber sehr selten.

Trichterbrustfehlbildungen sollten behandelt werden, wobei operative Korrekturen, die dem Herz und der Lunge den normalen Raum im Brustkorb wiedergeben, eindeutig zu bevorzugen sind. Die meisten Patienten werden um das 15. Lebensjahr operiert. Die sehr seltene starke Brustkorbdeformität im Kleinkindesalter sollte um das 6. Lebensjahr korrigiert werden. Die Korrekturmöglichkeit im Erwachsenenalter endet etwa mit 45 Jahren, wobei es hier notwendig ist das biologische Alter des Patienten einzuschätzen. Einen Anhaltspunkt dazu gibt beispielsweise der Grad der Verkalkungen im Rippenknorpel. Ausschließliche Brustvergrößerungen bei Trichterbrustpatientinnen sind keine zufriedenstellende Korrektur und führen oftmals zu einem ungenügenden kosmetischen Resultat. In diesen Fällen sollte im ersten Schritt der Brustkorb korrigiert und danach erst der Aufbau der weiblichen Brust vorgenommen werden. 

Die minimal invasive Trichterbrustkorrektur erfordert in der Regel drei kleinere Hautöffnungen und ein bzw. zwei Metallimplantate, die nach zwei bis vier Jahren wieder entfernt werden können. Mehrteilige Implantate, wo beispielsweise Stabilisatorplatten zusätzlich auf die Enden aufgeschoben werden, können zum Metallabrieb mit verschleppten Metallteilchen (Metallose) im Körper führen. Um das zu vermeiden gibt es ein Implantat mit fest integrierter Stabilisatorlasche.
Sowohl die Thoraxhöhlen (Thorakoskopie) als auch der Bereich vor dem Herzen (Mediastinoskopie) wird intraoperativ mittels Videoendoskopie überwacht.
Die minimal invasive Korrektur muss bei steiferem Brustkorb älterer Patienten durch zusätzliche operative Maßnahmen (Rippenknorpel- bzw. Brustbeinkerbungen; Rippenbogenkorrekturen) ergänzt werden. Es hat sich auch als vorteilhaft erwiesen, wenn der Trichter bereits innerhalb der Korrekturoperation durch Anheben des Brustbeines ausgeglichen vorliegt und das Metallimplantat ohne großen mechanischen Druck/Aufwand genau positioniert und mit den Implantatenden im Muskelfach zwischen dem so genanntem Muskulus serratus anterior und Muskulus latissimus dorsi fixiert werden kann. Verdrahtungen etwa zur Verbindung des Implantates mit den Rippen können brechen, dadurch Komplikationen hervorrufen und werden daher nicht angewandt.

In der Einheilungsphase des Metallimplantates besteht Sportverbot, so dass sich eine feste Gewebekapsel ausbilden kann. Später ist, nach Rücksprache mit dem Arzt, nahezu jeglicher Sport erlaubt und die Kräftigung der Oberkörpermuskulatur durch regelmäßiges Training sogar erwünscht.

Trichterbrust

Link zum Film „Herzkompression" auf youtube

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