Jahresbericht 2004: Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie

1. Zentralisierte Kinderchirurgie in der Teilunternehmung 1 des
Krankenanstaltenverbundes

Seit August 2003 ist die kinderchirurgische Abteilung des Preyer´schen Kinderspitals gesperrt und wir haben die ambulante kinderchirurgische Versorgung der Patienten vor Ort übernommen. Falls eine operative Leistung notwendig ist, werden diese Patienten im Donauspital operiert. Diese Versorgungsweise verhält sich ähnlich jener, die von uns im Wilhelminenspital (Glanzing) etabliert wurde. Die ambulante Versorgung kinderchirurgischer Patienten vor Ort und die chirurgische Behandlung dieser Patienten an unserer Abteilung hier im Hause zeigte einen reibungslosen Ablauf mit durchaus positiven Rückmeldungen von Seiten der Patienten. Dieses Modell konnte daher problemlos auch für die kinderchirurgische Versorgung der Patienten der Krankenanstalt Rudolfstiftung übernommen werden.

2. Entwicklung und Etablierung chirurgischer Techniken:

2.1. Minimal invasive Therapie der Harninkontinenz bei neurogener Blase
Das seit Jahren erfolgreich eingesetzte Deflux bei der paraostialen Unterspritzung bei vesicoureteralem Reflux wurde nun auch bei Inkontinencia urinae auf Grund einer neurogenen Blasenentleerungsstörung bei Z.n. Myolomeningocelen. Diese paraurethrale Unterspritzung führte zu einer deutlichen Verbesserung der Inkontinenzsymptomatik.

2.2. Neue operative Methode bei distal peniler Hypospadie
Nachdem Herr Prof. Hadidi im Rahmen unseres Donausyposiums im November 2003 eine modizifizierte Urethralplastik bei distal penilen Hypospadien während einer Live-Operation dargestellt hat, wurden nun auch an unserer Abteilung zahlreiche Patienten nach dieser Methode (modifizierte Urethralplastik nach Mathieu mit YV-Glansplastik) operiert. Die Spätresultate zeigten ein zufriedenstellendes Ergebnis. Der Vorteil dieser Methode ist im Vergleich zur früher eingesetzten Urethralplastik nach Snodgrass, dass keine Schienung der Harnröhre notwendig ist und die Patienten schon wenige Stunden nach der Operation problemlos miktionieren.

3. Kinderintensivstation:

An der Kinderintensivstation wurde im Jahr 2004 die Auslastung erneut gesteigert, vor allem im Bereich der Früh- und Neugeborenen, die chirurgisch versorgt wurden, kam es zu einer deutlichen Steigerung.
Die Zusammenarbeit mit den Rettungsorganisationen wurde überdies im Jahr 2004 optimiert, indem ein Koordinator für alle lebensbedrohlichen kindlichen Notfälle installiert wurde, als Ansprechpartner für die Einsatzorganisationen. Damit wurde auch die Stellung des Donauspitals als Kompetenzzentrum für Kindernotfälle gefestigt.

4. Spezialambulanzen:

Spezialambulanz für Spina bifida, Myelomeningocele, Meningocele oder Hydrocephalus unterschiedlicher Genese. Im Rahmen dieser Spezialambulanz werden die entsprechenden Kontrollen, in Zusammenarbeit mit allen bei diesen Krankheitsbildern beteiligten Disziplinen, koordiniert und das jeweilige Therapiekonzept für den Patienten entwickelt und durchgeführt. Seit dem Jahr 2004 erfolgt eine Dokumentation dieser Patienten, zusätzlich zur normalen Ambulanzdokumentation, in einem speziellen Dokumentationssystem im Computer um die Therapie zu optimieren.
In der Spezialambulanz für Trichterbrust und Kielbrust erfolgt die präoperative Diagnostik, die Operationsplanung, sowie die postoperative Betreuung. Im diesem Jahr konnten wir einen Zuwachs der Patientenzahlen dokumentieren, wobei sich auch Patienten aus den Bundesländern vorstellten.
Weiters werden Patienten mit kavernösen und kapillären Hämangiomen betreut und das Management hinsichtlich operativer Excision oder Laserung geplant.
Die kinderurologische Spezialambulanz konnte auch in diesem Jahr wieder einen Zuwachs an Patienten registrieren.
Spezialambulanz für Gastroenterologie und angeborene Fehlbildungen des Gastrointestinaltraktes und Obstipationsambulanz: Das Patientenspektrum erfasst Kinder und Jugendliche, die wegen rezidivierender Bauchschmerzen zur Abklärung und Betreuung kommen, bis hin zur chirurgischen Nachbetreuung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Dabei erfolgt die Evaluation zur endoskopischen Diagnostik und zur gastroenterologischen Funktionsdiagnostik. Außerdem werden die Kinder mit angeborenen Fehlbildungen des Gastrointestinaltraktes (Morbus Hirschsprung, Oesophagusatresie, Dünndarmatresie, Analatresie) postoperativ weiter betreut. In der Obstipationsambulanz werden vor allem Säuglinge und Kleinkinder mit modernen Methoden der Stuhlregulation behandelt. Neben konservativer Therapiemöglichkeiten folgt gegebenenfalls eine invasive diagnostische Abklärung (Ausschluss einer cholinergen Innervationsstörung), sowie die rectale Dilatationsbehandlung (gegebenenfalls intersphinktäre Dysport-Injektionsbehandlung) und anale Endosonographie.

Verletzungsnachsorge-Ambulanz
Leistungsspektrum: Sämtliche Frakturen, Pronatio, Bandläsionen im Sprunggelenk, Verbrennungen, Verbrühungen, Kommotio.
Die Verletzungs-Nachsorge Ambulanz ist ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätsverbesserung in der Kinderchirurgie.
Wachstum – abhängig vom Alter des Patienten – haben in der Heilung von Verletzungen – insbesonders von Knochenbrüchen - eine Eigendynamik, welche mit Verletzungen der „Erwachsenen“ unvergleichlich ist. Einer rascheren Heilung, eine unterschiedliche Narbenbildung (vom Alter, der Lokalisation und Art der Verletzung abhängig), verlangen eine individuelle Behandlung. So ergeben sich stark schwankende und unterschiedlichen „Ruhigstellungszeiten“, gegenüber dem Erwachsenenalter.
Bei Verletzungen – im Besonderen bei Verbrühungen und Verbrennungen – ergeben sich häufig überschießende Vernarbungen bei Kindern und Jugendlichen.
Mit Erfahrung ist auf dieses Factum einzugehen: dafür ist die Verletzungsnachsorge-Ambulanz geschaffen: Somit eine unverzichtbare Komponente, auf verletzte Kinder und Jugendliche, bzw. deren Eltern, einzugehen und zukunftsweisende Behandlungsstrategien mit anderen Fachgruppen (Ergotherapie, Physiotherapie, Bandagisten etc.) zu erarbeiten. Dabei sind besonders bei Verbrennungen Langzeitnachbehandlungen notwendig, welche auch manchmal plastische Korrekturen erfordern: das Abwägen der konservativen Möglichkeiten und der Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention kann so zusammen mit den Eltern leicht erarbeitet werden, wodurch die Motivation der Patienten und der Eltern so sehr gestärkt wird, dass sich dies auf Ergebnisse und Zufriedenheit nachhaltig auswirkt.

5. Innovationen im organisatorischer Bereich:

5.1. Papierlose Ambulanz
Seit November 2003 erfolgte, in Absprache mit der KoFü und den mit Sicherheits- und Datenschutzfragen betrauten Personen des SMZO-Donauspitals, in der kinderchirurgischen Ambulanz die Umstellung des bisherigen Patientenverwaltungssystems mittels Ambulanzmappen auf ein computerunterstütztes System. Dabei werden für Patienten keine Mappen mehr in Papierform angelegt werden sondern nur mehr eine „virtuelle Mappe“, entsprechend einer im PC geführten Dokumentation, erstellt. Auf diese Weise wurde der Papieraufwand minimiert und die Problematik der Lagerung der Papier-Unterlagen behoben. Die Dokumentation erfolgt auf diese Weise in einer standardisierten, lesbaren, dem untersuchenden ArztIn zuordenbaren und zeitlich für jedermann nachvollziehbaren Form.

5.2. Digitalisiertes Operations-Terminplanung (OP-Buch)
Das auf der Basis einer File-Maker-Datei erstellte OP-Terminplanungsbuch wurde mit November 2003 etabliert. Die häufigen Probleme bei dem üblicherweise schriftlich terminisierten Operationen, wie Übertragungsfehler durch Unleserlichkeit, etc., konnten damit völlig behoben werden. Ein weiterer Vorteil ist die Einsehbarkeit und Bearbeitung auf jedem PC der Abteilung. Je nach Zuständigkeit der Mitarbeiter ist der Zugang nur mittels eines entsprechenden Passwortes möglich.

5.3. Neugestaltung der Homepage: www.kidsdoc.at.
Diese virtuelle Ordination wurde im Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Informatik als wissenschaftliches Projekt aufgesetzt. Die für uns relevanten Fragestellungen beziehen sich auf die Akzeptanz dieses Mediums im Gesundheitsbereich, die Analyse der Fragen, die in dieser virtuellen Ordination an uns gestellt werden, der Einsatz als unterstützende Eltern- bzw. Patientenaufklärung und falls es möglich ist, die Effektivität medizinischer Ratschläge (z.B. Erste Hilfe). Als vorläufige Resultate konnten wir beobachten, dass die Akzeptanz (junge Eltern) überdurchschnittlich hoch ist und auch die Besuchsfrequenz im Zusammenhang mit der ergänzenden präoperativen Aufklärung angestiegen ist. Da sich dieses moderne elektronische Medium einem rasanten Entwicklungsprozess unterliegt, wurde von unserer Seite unsere Homepage den modernen Bedingungen neuerlich angepasst. Diese Überarbeitung führte zu einem wesentlichen Anstieg der Online-Anfragen und damit zu einer Verbesserung der Patientenaufklärung.

6. Ausrichtung von Veranstaltungen:

Im März 2004 wurde ein Notarzt-Refresherkurs von der kinderchirurgischen Abteilung und der Kinderintensivstation veranstaltet, in Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Anästhesie und Pädiatrie. Dieser Kurs befasste sich ausschließlich mit notfallmedizinischen Themen des Neugeborenen und Kindes und wurde von der österreichischen Ärztekammer nach §40 Ärztegesetz als vollwertiger Refresher-Kurs anerkannt. Es war die erste derartige Veranstaltung in Österreich. Neben den theoretischen Vorträgen lag der Schwerpunkt der Veranstaltung auf den umfangreichen praktischen Übungen und Fallbesprechungen.

Die Veranstaltung fand bei den teilnehmenden Ärzten und den Rettungssanitätern großen Anklang und wird im Herbst 2005 wiederholt.

7. Veranstaltungen / Fortbildung:

Im November 2004 wurde zum wiederholten Male die Facharztprüfung der Österreichischen Ärztekammer für das Fach Kinder- und Jugendchirurgie abgehalten.
Durchführung von Fort- und Ausbildungstätigkeiten im Rahmen des Krankenanstaltenverbundes mittels Organisation und Ausführung von wöchentlichen Vorträgen über Themen aus dem Bereiche der Kinderchirurgie und für das Fach relevante angrenzende Themen. Es handelte sich dabei um Fortbildungsstunden, die für das Modul Kinderchirurgie im Rahmen der Diplomfortbildungen der Österreichischen Ärztekammer anerkannt wurden.
Weiters wurden Vorträge an der Akademie für Fort- und Sonderausbildung der Pflegeberufe am AKH, im Rahmen der Ausbildungen für die OP-PflegerInnen sowie der Kurse für die IntensivpflegerInnen-Ausbildung, zu dem Thema Kinderchirurgie abgehalten.

8. Forschungsaktivitäten:

Gemeinsam mit dem Biomedizinisches Forschungszentrum AKH-Wien und finanzieller Unterstützung aus dem Bürgermeisterfonds der Stadt Wien wurde der Folgeversuch der Omentotesticulopexie an Kaninchen durchgeführt. Die Auswertung des Versuches ist noch im Laufen.

9. Auszeichnungen:

“Best oral Presentation” am World Congress of Pediatric Surgery in Zagreb,
Autoren: E. Frigo, M. Löbl, A. Rokitansky mit dem Titel: “Surgical treatment of disorders of the pancreatico-biliary system”.

Erfolgreicher Kongressveranstalter des Jahres, Auszeichnung des Wiener Bürgermeisters für die Ausrichtung des internationalen Kongresses der Akademie für Kinder- und Jugendchirurgie gemeinsam mit der deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie im Donauspital-SMZO.

KidsDoc.at
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