Verstopfung (Obstipation) im Kindesalter

Motto: Die Gabe eines Abführmittels ist zu wenig!

Die Ursache der Obstipation im Kindesalter umfasst ein breites Spektrum an Möglichkeiten:

  • Mangel an Flüssigkeit, an bewusster Ernährung, an Bewegung und Sport, ...
  • Schmerzen beim Stuhlgang: d.h. z.B. zu harte Konsistenz des Stuhles, ein Schleimhautriss – sogenannte Fissura ani mit Blutauflagerungen am Stuhl, Infektionen - Abszesse, etc...).
  • Anatomische Gründe, d.h. Fehlbildungen des Analkanales bzw. des Anus: z.B. bei Anteposition des Anus (Minimalvariante einer Analatresie), Analstenose, Zu langer Dickdarm (Colon elongatum), Zustand nach Korrektur einer Analatresie, etc). 
  • Neurologische Abnormitäten: z.B. beim Morbus Hirschsprung, wo keine Ganglienzellen in der Darmwand zur Auslösung der Peristaltik vorhanden sind; z.B. der Intestinalen Neuronalen Dysplasie (IND), wo fehlerhafte Nervenzellen vorhanden sind; bei Patienten mit Lähmungen; oder bei Schäden des Rückenmarkes so wie z:B. im Rahmen von Meningomyelocelen.
  • Bei Mucoviscisose, eine Erkrankung wo die Sekrete des Körper zu zähflüssig vorliegen. 
  • Bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Elektrolytdysbalancen (Kalium, ...). 
  • Psychische Belastung (forciertes Stuhltraining, Geschwisterchen, Scheidung, Kindergarten, ...)

Die GEFAHR der unbehandelten chronischen Obstipation ist die Entwicklung eines Krankheitskreislaufes in dem Sinne, dass der Stuhlgang schmerz, daher vermieden wird, sich daraufhin mehr Stuhl ansammelt und verhärtet. Dieser harte Stuhl führt zu noch größeren Schmerzen beim Stuhlgang. 

Das bedeutet folgende mögliche Kaskade: 

  • Das Stuhlintervall ist zunehmend verlängert.
  • Die Konsistenz des Stuhles zunehmend hart.
  • Oftmals zeigt sich eine Schleimhautverletzung (Fissura ani) mit hell roten Blutauflagerungen am Stuhl. 
  • Es besteht ein anhaltender Defäkationsschmerz. 
  • Es folgt eine negative Konditionierung, d.h. das Kind verbindet den Stuhlabgang mit Schmerz. Eine Krankheitseinsicht ist nicht zu erwarten. 
  • Es resultiert eine Angst vor der Stuhlgang. 
  • Es folgt eine chronische Erweiterung des Enddarmes. 
  • Darmentzündungen (Colitis) können durch die Stuhlstase ausgelöst werden. 
  • Der überdehnte Darm kontrahiert sich schwerer (Hypoperistaltik).
  • Symptome eines Darmverschlusses stellen sich ein bis hin zum Erbrechen.
  • Insgesamt kommt es zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sowie Mangelerscheinungen (bei distendiertem Abdomen).
  • Bei hochgradiger Stuhlretention (Stuhlstein) kommt es zum sogenannten Stuhlschmieren (Überlaufinkontinenz / fälschlisch: Durchfall / fälschlisch: Enkopretiker).

Die DIAGNOSTIK

  1. Anamnese: Die Obstipation seit Geburt (verzögerter Mekoniumabgang) ist ein klares Merkmal des Morbus Hischsprung, da intrauterin die Einwanderung der Ganglienzellen vorzeitig, noch vor Erreichen des Anus, zum Stillstand gekommen ist.
  2. Klinik: Stuhlkonsistenz, Fissura ani, Hämatochezie (Blutauflagerungen), Stuhlfrequenz, Meteorismus (Blähungen), Art der Bauchschmerzen, Tenesmen, distendiertes Abdomen, palpable Koprostase (Stuhlverhalten), Erbrechen, etc.. Typisch, weil häufig vorkommend ist die Entwicklung einer Schleimhautläsion (Fissura ani) im Rahmen der Nahrungsumstellung des Kleinkindes. 
  3. Bildgebende Verfahren: Sonografie des Abdomens, Abdomen nativ – Röntgen, unvorbereitete Irrigoskopie (Kontrastmitteldarstellung des Enddarmes, wo sich z.B. beim M. Hirschsprung ein deutlicher Kalibersprung zeigt), Transitzeit (Marker, die verschluckt werden und deren Wanderung durch den Darm beobachtet wird), anale Endosonografie (M. sphinkter ani internus Hypertrophie). 
  4. Sphinktermanometrie zur Feststellung der Kontraktionskraft (Ruhetonus und Kontraktionstonus) und des Erschlaffungsreflexes (beim M. Hirschsprung nicht auslösbar),
  5. Rektoskopie: Die definitive Diagnostik einer intestinalen Innervationsstörung trifft die histologische neuropathologische Begutachtung der Schleimhaut - Darmwandproben, welche in Allgemeinanästhesie entnommen werden.
  6. Blutabnahmen: z.B. Bestimmung der Schilddrüsenhormone.

THERAPIE:

Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, bewusster (ballaststoffreicher) Kost (Diätberatung) und Bewegung (später Sport) ist zu achten. Bei einer Analfissur mit erhöhtem Schließmuskeltonus hat sich die einmalige Sphinkterdilatation (Dehnung) bzw. in schweren Fällen die anale BOTOX Injektion bewährt (4 IE/kgKG pro Quadrant). Ein überdehnter Enddarm benötigt zur Förderung des Stuhlganges die Gabe von Abführmitteln (Einläufe, Milchzucker, bzw. MOVICOL®). Eine chirurgische Therapie erfordert eine Anteposition des Anus, bzw. Erkrankungen wie der M. Hirschsprung. Dabei wird die Entfernung des erkrankten Darmabschnittes, der den Stuhl nicht weiterbefördert, vorgenommen. Dieser operative Eingriff ist heute schon minimal invasiv möglich (De La Torre)

Nähere Informationen zur Obstipation (Verstopfung)

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