Varicocele (Varicozele)

Unter der Diagnose Varicocele versteht man eine Erweiterung der venösen Blutstrombahn des Hodens, d.h. jener Gefäßstrecke, die das Blut zum Herzen zurückführt. Die erweiterten venösen Gefäße (Vena testicularis, Plexus pampiniformis) wirken gleichsam als „Heizschlange“und führen einerseits zu einer Überwärmung, andererseits aber auch zu einem Blutstau im Hoden. Letzterer führt dazu, dass vermindert sauerstoffreiches frisches Blut zum Hoden strömen kann. Die Hodenüberwärmung führt zu einer Einschränkung der Fruchtbarkeit(Fertilität) und zwar nicht nur im Bereich des betroffenen Hodens. Auch der andere Hoden wird über einen immunologischen Mechanismus im Laufe der Zeit geschädigt. Je stärker die Varicocele ausgeprägt ist desto höher ist die Häufigkeit der Hodenschädigung (Hodendystrophie).

Erweiterte Venen des li. Hodens (Varicocele)
Erweiterte Venen des li. Hodens (Varicocele)


15% aller Männer leiden an einer Varicocele, und diese Erkrankung ist in 40% als Ursache einer eingeschränkten Fruchtbarkeit feststellbar. 

Man unterscheidet 3 Schweregrade (I – III):

  • Grad I - durch Pressen und Husten provozierbar (bis 35% Hodenschädigung)
  • Grad II - tastbare Varicocele (bis 50% Hodenschädigung)
  • Grad III - sichtbare Varicocele (70% Hodenschädigung)

Wesentlich ist die Abklärung, ob die Varicocele nicht durch eine Blutabstrombehinderung verursacht ist. So können zum Beispiel Tumore in der Nähe der Niere oder im Retroperitoneum sowie kleinen Becken auf die Vene drücken und so eine Varicocele verursachen (sekundäre Varicocele). Das ist jedoch seltener der Fall. Normalerweise ist die Vena testiculatis erweitert und der Venenklappenapparat nicht vorhanden oder nicht wirksam (primäre Varicocele). Am betroffenen Hoden zeigt sich eine peritubuläre Fibrose, eine Tubulusdestruktion (Desquamation), eine Sklerose der versorgenden Blutgefäße, eine Rückbildung oder auch diffuse Hyperplasie der Leydigzellen und damit in bestimmten Fällen eine Verminderung des Testosterones (männliches Geschlechtshormon).

Die Symptome sind ein Schweregefühl, ein Ziehen, fallweise Schmerzen und eine mögliche Verkleinerung des Hodens.

Norm - Varicocele


In der Diagnostik ist neben der klinischen Untersuchung die Sonographie (Ultraschall) vorrangig. Sollten sich Venen finden, die im Durchmesser mehr als 3mm dick sind so bestätigt sich die Diagnose der Varicocele.

Therapie:

Die Therapie der Varicocele besteht darin die Blutsäule, die auf die kleinen Venen des Hodens wirkt zu unterbrechen. Hier wurden in den letzten Jahren eine Reihe von operativen Eingriffen vorgestellt und angewandt. Zu nennen sind:

  • OP nach Bernardi / Palomo/ Ivanisevich
  • Laparoskopische Durchtrennung der V. spermatica
  • Mikrochirurgische Varicocelektomie
  • Sklerotherapie

Von besonderem Interesse ist die minimal invasive antegrade Sklerotherapie (1987 Tauber), die an der Kinder- und Jugendchirurgischen Abteilung des Donauspitales in Wien mit großem Erfolg angewandt wird. Diese Therapieform wird auch seit 1993 von der Gesellschaft für Urologie als Therapie der ersten Wahl empfohlen. Dabei wird in Allgemeinnarkose mit einer kleinen Hautöffnung das Venenkonvolut des Hodens (Pl. Pampiniformis) dargestellt und eine passende Vene aufgesucht. In diese Vene wird eine Platikkanüle eingeführt und eine Kontrastmitteldarstellung vorgenommen. Hier zeigt sich, ob Gefäßvariationen vorliegen. Falls die Vena testicularis als breiter Strang zur Darstellung kommt und keine zusätzlichen Abflüsse vorliegen (das ist in der Regel der Fall), erfolgt bei angehobenem Oberkörper und leichet Überdruckbeatmung die Verabreichung eines „air blocks“ von etwa 2cc. Danach wird ein Sklerosierungsmittel (bis 4cc, 3% Äthoxysclerol) eingespritzt. Dieses Mittel führt zu einer Entzündung und Schrumpfung der Venenwand, die damit sozusagen verödet ist. Die Blutsäule ist unterbrochen du es kommt zur Rückbildung der Varicocele.

Darstellung der passenden erweiterten Vene
Darstellung der passenden erweiterten Vene

Einführen der Plastikkanüle
Einführen der Plastikkanüle

Durchführung der Phlebographie
Durchführung der Phlebographie; damit wird die erweiterte Vene dargestellt,  die dann gezielt verödet wird.

Durchführung der Phlebographie


Nach der Verödung bilden sich die erweiterten Gefäße zurück und der Hoden ist wieder regulär durchblutet. Auffallender weise sind die Rezidivraten, d.h. das neuerliche Auftreten einer Varicocele bei diesem Verfahren gegenüber den anderen operativen Behandlungstechniken extrem niedrig.

KidsDoc.at
Diese Seite weiterempfehlen:
Bitte beachten Sie: Der Inhalt dieser Seite dient lediglich der Information und ersetzt NICHT DEN ARZTBESUCH!
KINDER-UND JUGENDCHIRURGIE WIEN
(eine Serviceleistung des Vereins für Kinderchirurgie und Kinderchirurgische Intensivmedizin)
Website by berghWerk New Media