Hämangiom (Blutschwamm)

Fehlbildungen des Gefäßsystems können Blut- (Arterien, Venen) oder Lymphgefäße(Lymphangiome, Hygrome) betreffen. Unter Hämangiomen (Blutschwämme) versteht man wachsende gutartige Tumore des vaskulären Endotheliums (Innenauskleidung der Gefäße).

Gefäßmissbildungen werden wie folgt unterteilt:

Gefäßtumore“:

  • Infantiles Hämangiom
  • Rasch zurückbildendes kongenitales Hämangiom (RICH)
  • Nicht zurückbildendes kongenitales Hämangiom
  • Kaposiformes Hämangioendotheliom
  • Büschelartiges Hämangiom

Gefäßmißbildungen“:

  • Kapilläre Malformation
  • Venöse Malformation
  • Lymphatische Malformation (Lymphangiome)
  • Arteriovenöse Malformation
  • Klippel – Trenaunay Syndrom

Hämangiome zählen zu den häufigsten Fehlbildungen im Kleinkindesalter und beginnen mit ihrem Wachstum oft erst in den ersten Lebenstagen, vorwiegend im Gesichts- und Kopfbereich. Man unterscheidet eine Wachstums- (Proliferation) und eine Rückbildungsphase.

Bei 50 % der betroffenen Säuglinge findet sich dann ein „rötliche Hautveränderungen“ (rote punktförmige Hautstelle) etwa ab der 3. Lebenswoche. Insgesamt treten 73% der Hämangiome erstmalig innerhalb des ersten Lebensjahres auf. Die Wachstumsphase betrifft meistens die ersten 6 – 8 Lebensmonate und ein „Wachstumsplateau“ wird um das erste Lebensjahr erreicht. Die Rückbildungspahes reicht bis in das Schulalter. 80% sind Einzelläsionen, 20% finden sich an mehreren Stellen der Haut bzw. auch in inneren Organen so wie beispielsweise der Leber. Wesentlich ist, dass man den richtigen Zeitpunkt der Therapie wählt (!) und nicht zu lange – in der Hoffnung der zu erwartenden Rückbildung – zuwartet. Hier können entstellende Befunde entstehen, die es gilt zu vermeiden.

Hämangiom (Blutschwamm) - 01

Altersverteilung eines Kollektivs von Hämangiompatienten. Das Verhältnis männlich (grüne Säule) zu weiblich (blaue Säule) betrug 1:2,5. Die meisten Therapien wurden innerhalb der ersten zwei Lebensjahre durchgeführt.

Zumeist handelt es sich um kavernöse Hämangiome, die im Gesicht aber auch an den Lippen und im Mund beobachtet werden können. Sie können in unterschiedlicher Größenausdehnung, plan, im Hautniveau oder als teigig weiche bläuliche Erhabenheit vorliegen. Häufigste Lokalisationen der Hämangiome unserer Patienten:

Hämangiom (Blutschwamm) - 02


Kavernöse Gefäßveränderungen
 können auch ein invasives Wachstum (Einwachsen) in die benachbarten Strukturen wie z.B. in die Muskulatur zeigen. In etwa 90% kommt es nach einem spontanen Wachstum zu einer spontanen Rückbildung, die auch einige Jahre dauern kann. 20% zeigen eine komplette Rückbildung ohne erkennbare Hautveränderungen und ca. 30% eine unvollständige Rückbildung mit kosmetisch nicht immer zufrieden stellenden Residuen (Narben, unterschiedliche Hautpigmentierung, etc.), die in der Folge eine operative Korrektur erfordern können.

Diagnostik:

  • klinische Inspektion
  • Anlegen einer Schablone zur Verlaufskontrolle (Größenwachstum)
  • Fotodokumentation
  • Sonographie zur Beurteilung der Größe, Tiefenausdehnung, sowie zur Verlaufskontrolle und Erkennung einer Gewebeverdichtung (bindegewebiger Organisation) bzw. rückläufiger Durchblutung als Zeichen einer Regression (Rückbildungstendenz)
  • Duplex - Sonographie zur Beurteilung des Vaskularisationsgrades
  • CT/MRT zur Abgrenzung des Tumors zu den Weichteilen/ Organen
  • Angiographie zur Darstellung speisender großer Gefäße

Therapeutisches Vorgehen:

Bei kleinen kosmetisch nicht beeinträchtigenden Hämangiomen ohne auffallend gesteigerte Wachstumstendenz und vor allem dann, wenn kein entstellendes Geschehen vorliegt steht ein zuwartendes – beobachtendes Verhalten im Vordergrund. Allerdings ist eine engmaschige ärztliche Kontrolle notwendig. Problematisch sind neben schnell wachsenden Hämangiomen, jene Läsionen, die ebenfalls oberflächliche Hautschichten betreffen und leicht verletzbar sind bzw. aufbrechen können. Die folge kann eine beträchtliche Blutung sein. Die Komplikation ist – medizinisch ausgedrückt – die Ulceration (5%) und die Blutung. Hier wird wieder die ärztliche Untersuchung in der Beurteilung der Gesamtsituation zeigen, wie vorzugehen ist. 

Therapeutische Maßnahmen beinhalten:

  • Die klassische Cortisontherapie (2-3mg/kg KG Prednisolon täglich über zumindest 1-2 Wochen; die höhere Dosis von 3mg/kg KG ist effektiver). Innerhalb der ersten Behandlungswoche sollte sich eine Rückbildungstendenz zeigen. 30% reagieren mit einer Rückbildung, 40% zeigen einen Wachstumsstillstand, 30% reagieren nicht. Bei einer Reaktion des Hämangioms muss die Cortisontherapie über 4-6 Wochen in voller Dosis aufrecht erhalten werden, dann kann eine Reduktion erfolgen. Cortison kann auch direkt in das Hämagiom mittels Injektion verabreicht werden. Natürlich sind die Nebenwirkungen einer Cortisontherapie anzuführen, die nicht unbeträchtlich sind (Wachstumsbeeinträchtigung, Persönlichkeitsveränderungen, Wassereinlagerung in das Gewebe, Unterdrückung der Hypophysenfunktion, Bluthochdruck,...). 

    - Zur Interferongabe: Die Interferon alpha-2a oder alpha-2b Therapie (2-3Mio. U/m2) wurde angewendet, wenn Cortison keine Wirkung zeigte. Eine 6-12 Monate lange Therapie ist für einen Effekt notwendig. Als bedeutende Nebenwirkung wurden spastische Lähmungen beschrieben, vor allem bei Kindern unter dem 1 Lebensjahr. Die Interferontherapie kann aus unserer Sicht nicht mehr empfohlen werden.

  • Als wirksame konservative Therapiemöglichkeit – im ersten Lebensjahr - etabliert sich zunehmend die Verwendung eines so genannten ß–Blockers (Propanolol 2mg/kg/Tag). Nach einer Therapiephase von etwa 2 Monaten sollten spätestens Rückbildungszeichen des Blutschwammes erkennbar sein. Grundsätzlich wird die ß–Blocker–Therapie von den Säuglingen gut vertragen, allerdings sind kreislaufbezogene Nebenwirkungen möglich. Wir führen daher den Beginn der Therapie unter Spitalsbeobachtung (EKG, Herzultraschall und Kreislaufüberwachung) durch (3Tage). Sollten bis dahin keine Nebenwirkungen aufgetreten sein, so kann die medikamentöse Behandlung zu Hause fortgesetzt werden. 

  • Die Lasertherapie (Regressions- und Ablation des Gewebes; siehe auch:kinderchirurgie/haemangiome_details.html) hat besonders unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen von Cortison besonderen Wert und wird bei einer Mehrzahl unserer Hämngiompatienten mit großem Erfolg eingesetzt. Bei erhabenen subkutanen Hämangiomen, wo also differentialdiagnostisch kein großes speisendes Gefäß nachweisbar ist, wird in Allgemeinnarkose eine intraluminale Neodym - Yag Laserung angewendet, die zur „Quellung“ (Ödem durch Gewebeveränderung) und anschließenden Schrumpfung des Hämangioms führt und somit primär eine Größenreduktion bewirkt. Bei dem Nd - Yag Laser handelt sich um einen Festkörperlaser der unsichtbares Licht im nahen Infrarotbereich mit einer Wellenlänge von 1064nm emittiert. Die Eindringtiefe beträgt 5-6mm. Hierbei wird das Hämangiom mit der „bare fiber“ g anpunktiert und von innen her behandelt (abliert).
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Hämangiom der Unterlippe, das mit der „Laserfaser“ punktiert wurde mit dem Resultat 
nach Laserung (Verkleinerung und Abblassung).


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Hämangiom an der oberen Stirne, das mit der „Laserfaser“ 11x punktiert wurde mit dem 
Resultat nach Nd – Yag Laserung.

Bei planen Läsionen wird der Nd-Yag Laser perkutan (also quasi die Läsion nur punktuell anleuchtend) angewendet, wobei die Hautoberfläche mit eisgekühlten Objektträgern gekühlt wird um oberflächliche thermische Hautschäden zu vermeiden. Die Lasertherapien werden gegebenenfalls in Abständen von 6-8 Wochen wiederholt.

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Perkutane Laserung mit Kühlung der Hautoberfläche. Die blassen Punkte zeigen bereits 
die Wirkung des Lasers, der hier die Durchblutung bereits gedrosselt hat.


  • Die Chirurgische Resektion: Die konservativen Therapien dauern lang und haben einen eingeschränkten Wirkungsgrad. Zusätzlich sind die Nebenwirkungen zu beachten, so dass beispielweise die Interferontherapie nicht mehr angeraten werden kann. Die Lasertherapie erfordert in der Regel mehrere Eingriffe (Laserungen) und eine Narbenbildung ist zu erwarten. Daher meinen wir, dass jene Läsionen, die behandelt werden müssen (Wachstumstendenz, Ulceration, Blutung, Zerstörung umliegender Gewebe, entstellende Wirkung im Gesicht) und problemlos chirurgisch entfernt werden können operiert werden sollten. Hier sollte man ein ausführliches Gespräch suchen um den richtigen Weg mit maximaler Aufhebung des Leidensdruckes zu wählen. Wir sehen, mit unserer großen Erfahrung auf diesem Gebiet, dass bei etwa 50% unserer Patienten die Lösung durch eine chirurgische Entfernung in einer einzigen Operation am hilfreichsten für alle Beteiligten war.

Weiterführende Informationen/Studien:

Hämangiome bei Kindern früher behandeln!

"Beta-Blocker Gabe" - eine neue Therapieoption bei Hämangiomen!

Therapie angeborener Gefäßerkrankungen mit dem Laser

Hämangiome (Blutschwämme) - Übersicht

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