Die Blinddarmentzündung (Appendicitis)

Die akute Appendicitis ist die häufigste chirurgische Erkrankung, die die Symptomatik eines so genannten "akuten Abdomens", d.h. schweren Bauchschmerzes, beim Kind und Jugendlichen auslösen kann. Alle praktizierenden Ärzte wissen, dass sich die Diagnose oftmals nicht einfach gestaltet. Nach wie vor gilt es im Zweifelsfall eher die Entfernung des Blinddarmes durchzuführen, nachdem die operative Behandlung einer fortgeschrittenen, z.B. perforierten - d.h. durchgebrochenen Appendicitis mit einer höheren Komplikationsrate (Wundabszesse, Darmverschluss, Bauchfellentzündung) vergesellschaftet ist.


Blinddarmentzündung (Appendicitis)
Akute Blinddarmentzündung während der Entfernung


Blinddarmentzündung (Appendicitis)
und im Ultraschallbild

Die Symptomatik einer akuten Appendicitis beginnt zunächst mit dem Schmerzen um den Nabelbereich, der nach einem gewissen Zeitintervall Übelkeit und Erbrechen zur Folge hat. Erbrechen und Übelkeit vor dem Einsetzen der abdominellen Beschwerden spricht eher für das Vorliegen einer Darminfektion (medizinisch: gastrointestinalen Infekt). Sobald die Entzündung der Appendix das Bauchfell, d.h. die Oberfläche des Blinddarmes erreicht hat,verlagert sich der Schmerz in den rechten Unterbauch und es findet sich typische Erschütterungsschmerz (sogen. Loslass-Schmerz, Schmerz beim Beklopfen des Bauches), wo die Patienten eine Schonhaltung einnehmen und z.B. das Gehen (Springen) als unangenehm empfinden. Im Rahmen der Bauchfellentzündung kommt es zur vermehrten intraabdominellen Flüssigkeitsansammlung und einer trockenen Zunge. Obwohl die Diarrhö für die Darminfektion typisch ist, schließt sie eine akute Appendicits nicht 100%ig aus. Die klinische Untersuchung und die Routinelabordiagnostik (Blutbild, CRP, Harnstatus) wird wesentlich durch die Sonographie des Abdomens ergänzt. Eine darstellbare, im Durchmesser mehr als 6 mm dicke, nicht zusammendrückbare und mit dem Schmerzlareal übereinstimmende Appendix, spricht für das Vorliegen einer akuten Appendicitis.

In einer prospektive Studie der kinderchirurgischen Abteilung des Donauspitals-SMZ Ost an233 Patienten fand sich eine durchschnittliche Erkrankungsbeginn vor 36,3 Stunden mit schließlich anhaltenden rechtsseitigen Bauchschmerzen in 75% der Fälle. Dabei zeigten 78% der Patienten in den letzten 48 Stunden vor Aufnahme keine Veränderungen der Stuhlgewohnheiten. Vor allem der lokalisierte Druckschmerz (70%) mit Klopfempfindlichkeit und örtlich angespannter Bauchdeckenmuskulatur (76%) erwiesen sich erwartungsgemäß als gute Parameter für das Vorliegen einer akuten Appendizitis.

Bei der Differentialdiagnostik müssen verschiedene Erkrankungen bedacht werden. Im Rahmen der Gastroenteritis, die die häufigste Differentialdiagnose darstellt, findet sich in der Regel eine vermehrte Darmperistaltik, eine Druckempfindlichkeit verteilt über den gesamten Bauch und in der Regel hat die Übelkeit vor den Bauchschmerzen begonnen. Die ausgeprägteStuhlverstopfung findet sich bei Diätfehlern oder auch Stress. Gerade beim Kleinkind steht bei Harnwegsinfekten oftmals die abdominelle Symptomatik im Vordergrund. Mit zunehmendem Alter steigt bei Mädchen die Häufigkeit einer pathologischen Veränderung im Bereich der Eierstöcke und damit auch die Möglichkeit der sehr schmerzhaften Stieldrehung derselben. Bei Kleinkindern, wo die Appendicitis eher eine Seltenheit darstellt, ist differentialdaignostisch die rechtsbasale Lungenentzündung zu bedenken.

Weiterführende Informationen/Studien:

Die Blinddarmentzündung (Appendicitis)

Zur Gastroenteritis - Darminfektion

Andere Erkrankungen die Bauchschmerzen auslösen

Blinddarmentzündung - Übersicht

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